Arbeit und Soziales

Das nachfolgende Schreiben von Andreas K. zeigt auf, dass es mit dem Fördern und Fordern durch eine Arge statt zur Arbeitsaufnahme zum Arbeitsplatzverlust kommen kann.

Brief an den Ministerpräsidenten


Der Ministerpräsident
des Landes Schleswig-Holstein
Herrn
Peter Harry Carstensen
Düsternbrooker Weg 104

24105 Kiel


Arbeitslos durch die ARGE Flensburg



Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

ich bitte Sie persönlich um Hilfe, es geht um die ARGE Flensburg.

Erst mal zu meiner Person. Ich bin 47 Jahre jung, bin von Beruf gelernter Maschinenbauer und Schmelzschweißer und habe die Ausbildereignung im Metalbereich und die mittlere Reife. Das heißt, ich habe eine gute Bildung und ich weiß was in der Welt los ist.

Vor 2 Jahren habe ich für die Verleihfirma ITU bei der Krones AG in Flensburg gearbeitet.
Leider wurden wir von der Stammbelegschaft nicht sehr gut behandelt und als ich dann noch als Leihkeule betitelt wurde, habe ich mich nach einem Job in Dänemark umgesehen.
Zugute kam, dass wir bei Krones nicht mehr gebraucht wurden und ich zum Butterpacken
nach Bremen sollte, weil ITU nichts anderes hatte. Als ich mich weigerte wurde ich entlassen. Nun gut, das ist nicht das Problem.

Ich ging zu Gramak in das hiesige Arbeitsamt und dort hatte man gleich eine Stelle in Tinglev
Dänemark. Was ich brauchte, war nur ein Darlehen von 500 Euro als Anzahlung für ein Auto, damit ich zur Arbeit kommen konnte. Was war? Abgelehnt! Mit der Aussage, das ich wenn ich da drüben arbeiten will ich doch da rüber ziehen soll.

Mindestens bei 4 Jobangeboten von Gramark ging das so. Also ließ ich das Thema Dänemark.
Im Jui 2006 rief mich mein damaliger Sachbearbeiter Herr F. an, ob ich noch Interesse daran habe in Dänemark zu arbeiten. Ich sagte ihm, dass ich mich von der ARGE nicht mehr länger verarschen lassen will. Ich habe kein Fahrzeug und das wüsste er genau.
Nein, es war eine Mitarbeiterbesprechung und auf jeden einzelnen Arbeitslosen soll individuell eingegangen werden und ich könnte ein Darlehen bis zu 3000 Euro für ein KFZ bekommen.

Also fuhr ich nach Dänemark, um mich bei der Firma vorzustellen. Die nahm mich auch. Zurück zur ARGE legte ich den Arbeitsvertrag vor und fragte nach dem Darlehen für das Auto. Ja, sagte Herr F., ich kann Ihnen das Geld aber nicht so aushändigen, ich sollte mit einem Kaufvertrag kommen. Also zogen meine Lebensgefährtin und ich los und bei einem Händler kauften wir ein Fahrzeug (unter Vorbehalt). Mit diesem Kaufvertrag sind wir dann wieder zur ARGE.

Der Sachbearbeiter Herr Fricke sagte dann zu uns, er müsste erst mal bei der Teamleitung nachfragen ob er das genehmigen dürfte, ansonsten würde er demnächst auf unserem Platz sitzen.

Er ging also zu der Teamleitung und ich zur Toilette, weil mir schlecht war und mich übergeben musste weil ich genau wusste das das mal wieder abgelehnt wird. Und wie ich Recht hatte. Als ich ins Zimmer kam saß meine Lebensgefährtin da mit einem Gesichtsausdruck den ich nur von ihr kannte wenn sie wütend war.

Dann wurde mir gesagt: Ich würde erst dann Geld für ein Fahrzeug bekommen, wenn ich mindestens 3 Monate in der Firma arbeiten würde.
HALLO?

Was ist denn das für eine Ansage? Ich brauche ein Fahrzeug um jeden Tag zur Arbeit zu kommen, bekomme diesen aber erst in 3 Monaten! Boaaa , darauf muss man erst mal kommen! Wir verließen die ARGE mit der Drohung unseren Rechtsanwalt, das Bundespräsidialamt und die Öffentlichkeit zu informieren, damit die Verarsche mal langsam aufhört.

Am nächsten Tag bekam ich einen Anruf von Herrn F. er hätte eine Lösung gefunden!
Und die sah so aus: Da ich in 3 Schichten arbeiten sollte, wollte die ARGE mir für die Spät- und Nachtschicht ein Leihwagen finanzieren. In der Frühschicht sollte ich dann mit dem Zug fahren.

Das wären an Kosten für die ARGE gewesen: 199 Euro die Woche für das Auto, ohne Benzin, und das x3 erste Woche Nachtschicht 199 Euro- zweite Woche Spätschicht 199 Euro, dritte Woche Frühschicht (Zug) vierte Woche Nachtschicht 199 Euro. Dazu wären noch die Benzinkosten gekommen. Und das rechnen Sie noch auf 3 Monate hoch…..
Diese Kosten hätte ich von der ARGE als Fahrkostenzuschuss bekommen, hätte das auch nicht zurückzahlen müssen. Das Darlehen für das Auto wären 2600 Euro gewesen, was ich hätte zurückzahlen müssen.

Aber die ARGE ist angehalten zu Sparen!

Ich habe dann den ganzen Irrsinn sein gelassen, habe mir einen Job in Tonder Dänemark selbst gesucht, bin zu dem gleichen Händler gegangen und habe dort einen Wagen auf Abzahlung bekommen und habe diesen Job bis zum 17.09.07 in Tonder ausgeübt. Ich habe gedacht das das schon das Absolute sein kann was man in der Bürokratie so erleben kann aber es geht noch besser………….




Im September´07 ließ unsere Firmenleitung verkünden dass wir zum 10.10.07 über Winter
gekündigt werden. Um nicht wieder arbeitslos zu werden, bewarb ich mich als Aluminium-schweißer bei der Weissenborn A/S in Vejle. Dort wurde ich auch sofort genommen. Ich unterschrieb den Arbeitsvertrag. Mein erster Arbeitsvertrag sollte am 18.09.07 beginnen.
Meine alte Firma ließ mich sofort aus dem alten Vertrag.
Das Problem war aber, das Vejle 107,00 km von Flensburg liegt und ich erstmal zwischen fahren mußte, bis ich dort eine Unterkunft gefunden hatte. Da ich 12 Stundenschichten hatte, hieß das morgens um 4.30 Uhr los und nach Hause kam ich gegen 20.00 Uhr.
Ferner ging mein Geld zu Ende wegen der Benzinkosten.
Bei meiner alten Firma hatten wir alle 14 Tage Lohn bekommen und bei der neuen Firma sollte am Ende des Monat Lohn ausgezahlt werden. Von der alten Firma hatte ich noch einen Lohnanspruch von 2600 DDK für 4 Tage. Dieses Geld hätte ich dann eine Woche nach dem 18.09.07 bekommen.

Diese 2600 DDK hätten aber niemals für den Monat Oktober gereicht, zumal ich die Krankenversicherung/ Pflegeversicherung für meine Lebensgefährtin , die Miete und Strom, Benzinkosten und weitere Kosten für den Lebensunterhalt zu bestreiten habe.

Also gingen wir zur Arbeitsagentur, die allerdings konnten uns nicht weiterhelfen da ich vor Arbeitsaufnahme die Anträge zu stellen hatte. Die Sachbearbeiterin schickte uns zur ARGE.
Dort schilderte ich unsere Situation, legte alle erforderlichen Unterlagen vor und man sagte uns dass die ARGE nach dem Zuflussprinzip arbeitet. Ich habe dann der ARGE mein noch ausstehenden Lohn 2600 DDK in Schriftform vorgelegt und den zu erwartenden Lohn von der neuen Firma, ca. 2200 DDK für den Monat September. Das wären in Euro ca 632,00 Euro gewesen. Wie gesagt, die 2200 DDK von der neuen Firma hätte ich erst Ende September bekommen. Die Sachbearbeiterin versprach uns das zügig zu bearbeiten, und ich könnte meinen neuen Job antreten.
Ich fuhr dann auch zur Arbeit und bekam von meinem neuen Arbeitgeber 1000 DDK als Fahrgeld einen Vorschuss, bis die ARGE die Sache bearbeitet hatte.
3 Tage später kam dann auch der Bescheid, mit dem Ergebnis: Alles abgelehnt…..
Also, ich würde für den Monat September einen Zufluss von 2600 Euro haben und somit nicht bedürftig sein. Ich hätte aber die Möglichkeit Widerspruch einzulegen!

Also erstmal musste ich mir am Kopf fassen, ich bin ja keine große Leuchte in Mathematik, aber wie bitte, kommt man auf so eine Summe! Ich habe der ARGE alle meine Einkommen vorgelegt die eindeutig waren. Wenn ich so viel Geld hätte, wäre ich doch nicht zur ARGE gegangen.

Also ich legte diesen Bescheid meinen Arbeitgeber vor und sagte ihm dass ich noch 2 mal kommen könnte, dann wäre mein Benzin alle und das wär´s dann. Ich fuhr dann noch 2 Mal zur Arbeit und bekam dann von meinem neuen Arbeitgeber die Kündigung und den Spruch:
Ich sollte erstmal mein Leben in Ordnung bekommen, dann könnte ich mich wieder bewerben.

Also wir den nächsten Tag hin zur ARGE. Das erste was ich da zu hören bekam, warum sind sie denn schon wieder arbeitslos?
Man, man, man, wie soll man auf so etwas antworten?

Als erstes legte ich dem Sachbearbeiter die Berechnung vor, deshalb bin ich arbeitslos!
Ja, Sie haben aber die Möglichkeit eines Widerspruches war das erste was ich zu hören bekam.
Meine Antwort: Ich bin arbeitslos
Der Sachbearbeiter: Ja, aber ich rate Ihnen dagegen Widerspruch einzulegen.
Ich: wo gegen, gegen meine Arbeitslosigkeit?
Der Sachbearbeiter: Nein, gegen den Bescheid
Ich: und was soll das noch bringen?
Der Sachbearbeiter: Ist doch klar, das ist eine falsche Berechnung
Ich: Na und, ich bin jetzt arbeitslos oder bekomme ich nach erfolgreichen Widerspruch meinen Job wieder?
Der Sachbearbeiter: äh……………………

Ich musste dann zu der Arbeitsagentur um mich arbeitslos zu melden, meine Lebensgefährtin blieb bei der ARGE um ALGII zu beantragen. Man sagte ihr zu, das bis Mitte
des Monats Oktober Ihr Bescheid bearbeitet wird. Heute am 28.10.07 ist noch nichts von der ARGE gekommen außer der Aussage, das der Bescheid am Ende der 43. Woche bei uns ankommen würde, was auch wieder nicht der Fall ist.

Ich habe mit meinem Rechtsanwalt eine Schadenersatzklage gegen die ARGE eingereicht, was mich aber nicht befriedigt.
Ich hatte mich bei der Handwerkskammer zur Ausbildung zum Schweißfachmann angemeldet, das kann ich nun vergessen weil ich das nicht mehr finanzieren kann und ich keine Förderung bekomme weil ich nicht in Deutschland arbeite
Meine Schweißerprüfungen kann ich auch nicht machen (die abgelaufen sind) kann ich mir nicht leisten!!! Agentur übernimmt die Kosten nicht.
Alles das, nur weil ein Sachbearbeiterin meint sie wäre im Recht!!!!!!!!

Nein, ich will eine Entschuldigung von der Frau. Sie soll sich dazu bekennen das sie Mist gebaut hat und nicht grinsend und schnatternd durch die Flure der ARGE mit der Kaffeetasse
laufen.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, ich und auch jeder andere hat, wenn er mal Mist baut,
sich der Verantwortung zu stellen. Wenn man am Tag, als wir die falsche Berechnung reklamierten, gesagt hätte: Ja, da haben wir Mist gebaut, wir korrigieren das, wäre ich nicht
arbeitslos und ich hätte den ganzen Kram vergessen. Aber von der ARGE kommt gar nichts!!!
Tut mir leid, aber das lasse ich nicht einfach auf sich beruhen. Ich werde, wenn jetzt nicht irgendetwas passiert, an die Öffentlichkeit gehen.


Mit freundlichen Grüßen

Andreas Kubitzki

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