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Staatlich verordnete Armut?
Diesen Artikel schrieb ich am
15.03.2003 Viele wollten mir nicht glauben, meinten ich würde
übertreiben. Nun wurde es Realität.
Hartz und die
Agenda 2010, die Folgen ihrer Umsetzung. Deutschland wird so nicht
den Weg aus der Krise schaffen. Wer hätte gedacht das
ausgerechnet von den Sozialdemokraten der Sozialstaat zu Grabe
getragen wird.
Die Veränderungen und ihre
Folgen.
Arbeitslosengeld statt 36 Monate nur noch 12 Monate
für Arbeitslose unter 55 Jahre Arbeitslosengeld statt 36
Monate nur noch 18 Monate für Arbeitslose über 55
Jahre Arbeitslosengeld II nur noch in Höhe der Sozialhilfe
(ca. 350,00 Euro im Monat), und nur noch für
Arbeitsfähige Sozialhilfe nur noch für
Arbeitsunfähige
Es wird den Betroffenen schwer zu
vermitteln sein das ausgerechnet sie, die bereits mit ihrem
Arbeitsplatzverlust bestraft wurden, nun auch noch den Staatshaushalt
sanieren sollen.
Wer unter den neuen Bedingungen seine Arbeit
verliert und zu denen gehört, die auf dem Arbeitsmarkt eher
schlechte Chancen haben, wird sich darauf einstellen können
alles zu verlieren, für das er, je nach Alter, vielleicht sein
halbes Leben gearbeitet hat. Da wird in Zukunft das Auto verkauft
werden müssen, die Wohnung gewechselt, weil die Miete nicht mehr
zu bezahlen ist. Einige werden ihr Eigenheim verlieren. Viele werden
ihre Kredite nicht mehr tilgen können und so erst überschuldet
und dann verarmt sein. Und es kann dann jeden schneller treffen, als
bisher gedacht.
Wie würde ein Mensch reagieren, wenn er
z.B. mit 40 alles auf diesem Wege verliert? Wäre er etwa hoch
motiviert sich um neue Arbeit zu bemühen? Würde er es kaum
abwarten können alles wieder aufzubauen, mit der Gewissheit im
Hinterkopf, das er schon in ein paar Jahren wieder alles verlieren
könnte? Ich denke nicht. Viele werden sich einfach
aufgeben. Und noch einen Nebeneffekt wird es geben. Die
Schwarzarbeit wird steigen, und zwar nicht unerheblich. Denn niemand
kann seine Wohnung und/oder sein Auto halten, wenn er
Arbeitslosenhilfe auf dem Niveau der Sozialhilfe bezieht.
Wer
bestimmt dann eigentlich wer warum nicht mehr arbeitsfähig ist?
Wenn das z.B. das Arbeitsamt entscheidet, werden sich die Kommunen
wundern was in Zukunft alles beim Sozialamt landen wird. Denn es
handelt sich ja bekanntermaßen um zwei unterschiedliche Kassen.
Die Arbeitslosen bekommen Geld vom Bund, die Sozialhilfeempfänger
von den Kommunen. Sozialhilfeempfänger tauchen in der
Arbeitslosenstatistik nicht auf, also hat das Arbeitsamt zwei gute
Gründe so viel Arbeitslose wie möglich als arbeitsunfähig
auszusortieren. Der Bund spart Geld und die Arbeitslosenzahlen
sinken.
Das die Regierung, und auch die Opposition, nicht die
Folgen erkennt, nicht einmal merkt das dieses Konzept kontraproduktiv
ist, das ist eigentlich das fatale an der Sache. Es wird die
Kaufkraft noch mehr geschwächt und die Gesellschaft noch mehr
verunsichert. Die Folge wird sein das die Menschen ihr Geld nun noch
mehr zusammenhalten da sie ja damit rechnen müssen die nächsten
Opfer zu sein.
Nun ist es natürlich leicht diese Politik
zu kritisieren, aber man kann es besser machen, und ich sage auch
wie. Das Arbeitsgeld einheitlich auf 36 Monate beschränken, die
Arbeitslosenhilfe einheitlich festlegen, und zwar ausgehend von der
Sozialhilfe um 50 % anheben. Weiterhin die Sozialhilfe aus
Bundesmitteln finanzieren, damit nicht auf Kosten der Arbeitslosen
Verschiebungen stattfinden.
Durch gezielte Qualifikation muss
den Arbeitslosen die Chance gegeben werden am Arbeitsmarkt wieder
Tritt zu fassen. Drohungen und Einschüchterungen helfen
niemanden, im Gegenteil, sie treiben die Menschen in die
Illegalität.
Nun werden viele fragen wie man das
finanzieren soll. Ich will nicht schon wieder damit anfangen das die
Unfähigkeit von Verwaltungskräften dazu führt das
jedes Jahr um die 40 Milliarden Euro verpulvert werden, auch wenn
hier wirklich dringender Handlungsbedarf angesagt wäre.
Finanzieren ließe es sich ganz ohne Probleme durch die
Streichung zahlloser Subventionen und Steuererleichterungen, die
unsinnig sind und die falschen Unternehmen fördert. Hier sei nur
die Filmförderung als winzige Beispiel genannt. Es muss eben mal
denen vor das Schienbein getreten werden, die ihre Gewinne
maximieren, trotzdem immer mehr Personal entlassen und am lautesten
jammern.
Wir gehen also düsteren Zeiten entgegen. In
Zukunft werden Gerichtsvollzieher, Inkassodienste, Schuldnerberater,
Anwälte und Richter noch mehr zu tun bekommen. Arbeitsplätze
wird das freilich nicht bringen.
Bleibt abzuwarten was nach
Schröder vom Sozialstaat übrig bleibt. Viele werden sagen
das die Union das sicher besser gemacht hätte. Ich verweise da
nur auf Stoiber, dem das noch nicht weit genug geht. Er würde
sogar die Sozialhilfe auf 75 % kürzen, einem Niveau, das keinem
mehr ermöglichen würde am gesellschaftlichen Leben
teilzuhaben. Es wären dann nur noch ca. 220 Euro im Monat, die
einem Sozialhilfeempfänger zustehen würden, wobei die Miete
bereits bezahlt wäre, mehr aber nicht. Für eine dreiköpfige
Familie gäbe es für einen Monat ganze 750 Euro, inkl.
Kindergeld.
Egal welche Partei die Regierung stellt, es wird
nur bei den Schwachen gespart. Es ist leicht denen etwas zu nehmen,
die keine Lobby haben. Aber mit dieser Politik wird das Heer der
Arbeitslosen immer größer. Der Tag wird kommen, wo die
Arbeitslosen das Zünglein an der Wahlwaage sein werden. Erst
dann wird sich wohl etwas ändern. Aber dann dürfte es
bereits zu spät sein.
Torsten Staack www.lebens-phase.de
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